Nachwuchskräfte und Wohnraum im Bereich Gesundheit und Soziales – Dritter Zukunftstalk

„Im Gesundheitsbereich ist Altmühlfranken vergleichsweise gut aufgestellt. Damit das so bleibt, müssen die unterschiedlichen Bemühungen fortgesetzt und intensiviert werden, um Studierende und Fachkräfte in unsere Region zu bringen“, lautete das Fazit des 3. Zukunftstalks, an dem knapp 50 Teilnehmer am 1. Juli im Rahmen des Zukunftsprozesses Altmühlfranken 2030 teilnahmen. Und immer wichtiger wird dabei die Unterstützung bei der Wohnungs- und Haussuche, wurde als entscheidender Schlüsselfaktor für die Zukunft identifiziert.

Als Grund für die gute Ausgangsposition wurden zu Beginn die beiden Krankenhäuser in Gunzenhausen und Weißenburg aufgezählt, die sehr gut aufgestellt sind, sowohl fachlich als auch räumlich. Außerdem sind noch ausreichend Hausärzte vorhanden und es gibt insgesamt 24 Apotheken und neun Hebammen, die am Klinikum tätig sind. Nur bei bestimmten Fachärzten ist der Versorgungsgrad geringer. Als Beispiele wurden die Augen- und Hautärzte genannt, bei denen der Versorgungsrad im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung bei 80 bzw. 82 Prozent liegt. Lob gab es für die Bereitschaftsdienstpraxis in Weißenburg, verbunden mit dem Wunsch, dort wenn möglich eine Kindernotbetreuung zu integrieren.

In Zukunft droht jedoch ein Nachwuchsproblem, da viele Ärzte schon älter oder bereits im Rentenalter sind. Diesbezüglich wurde unter anderem auf die Aktivitäten der Geschäftsstelle der „Gesundheitsregion Plus“ gemeinsam mit lokalen Partnerstellen verwiesen.  Diese engagiert sich beispielsweise bei der „Medizinischen Ferienakademie“, dem Projekt „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) und hat eine Aus- und Weiterbildungsbörse auf der Homepage des Landkreises integriert, um die Gewinnung von Medizinstudenten für den Landkreis voranzutreiben. Dadurch ist die Region bei Studierenden „bereits überregional gut bekannt.“ Doch junge Ärzte für ländliche Regionen und für eine eigene Praxis zu begeistern, sei heutzutage ein schwieriges Unterfangen, wurde von einer anwesenden Ärztin eingeschätzt. Junge Ärztinnen und Ärzte ziehen es oft vor, in den großen Städten zu arbeiten, oder angestellt in einem Krankenhaus oder einem Medizinischen Versorgungszentrum zu sein. Sie empfiehlt daher, langfristig zu denken und bereits fünf bis zehn Jahre vor der anstehenden Praxisübergabe mit potenziellen Nachfolgern Kontakt aufzunehmen. Ähnlich sieht es ein Apothekerpaar, denen aktuell qualifiziertes Personal fehlt.

„Oftmals entscheidend ist auch, ob ein passendes Haus oder Appartement für den Spezialisten gefunden werden kann“, wurde weiter argumentiert und damit die Wohnraumfrage angesprochen, die bereits beim ersten Zukunftstalk als zukünftiges Handlungsfeld identifiziert wurde. Damals ging es grundsätzlich um Wohnraum und die Ortsentwicklung an sich. Es gebe bereits Agenturen, die quasi mit „Rundum-Sorglos-Paketen“ locken, wurde als Beispiel genannt.

Geeigneten Wohnraum zu finden ist aber für den gesamten Gesundheits- und Sozialbereich wichtig, also auch das Pflegepersonal, die Jugendhilfe usw. Im Chat wurde angefragt, das Schwesternheim bei der Klinik in Gunzenhausen zu nutzen, das aber bereits ausgelastet ist. Und aus Gunzenhausen wurde berichtet, dass die Stadt ein Zimmer für Studierende zur Verfügung stellt, das gut angenommen wird. Zeitlich begrenzt kommen auch touristische Ferienwohnungen in Frage, die in der Nebensaison angemietet werden können. Eventuell wäre sogar eine strategische Partnerschaft zwischen Tourismus- und Gesundheitsregion möglich. Als Vorschlag wurde eine Art digitales „Schwarzes Brett“ aufgenommen, das im Landkreis über Mietangebote informiert.

Speziell für die Berufseinsteiger würde es sich zudem anbieten, Weißenburg als Aus- und Weiterbildungsort zu etablieren und hier die vorhandene Kompetenz zu bündeln. Um mehr Auszubildende zu gewinnen, schlug eine Teilnehmerin im Chat vor, in den Realschulen und Gymnasien neben dem Girls‘- und Boys‘ Day den „Social Day“ anzubieten. Und für die Klinik wurde als Idee ein „Skills Labs“ eingebracht. Das sind Räume in der beruflichen Bildung der Gesundheitsberufe, die typische Tätigkeitsbereiche abbilden und die Möglichkeit bieten, demonstrierte Handlungen beobachtbar zu machen.

In Zusammenhang mit der Aus- und Weiterbildung steht auch das Thema Mobilität, die sich im Landkreis differenziert darstellt. Schließlich muss der Nachwuchs seinen Arbeitsort auch erreichen können. Als Wünsche für die Zukunft wurden ein Bus angeregt, der per App nach Bedarf angefordert werden kann sowie ein ehrenamtliches Fahrangebot nach dem Vorbild in der Oberpfalz oder dem Spessart (Bürger fahren Bürger). Neu aufgelegt werden soll die Mitfahrzentrale MiFaZ als niedrigschwellige Ergänzung zum ÖPNV, lautet ein weiterer Hinweis.

Aufgrund der Coronasituation hat der Bedarf an psychotherapeutischer Hilfe zugenommen. Hier wurde eingeschätzt, dass im Landkreis Therapeuten fehlen bzw. die Hilfesuchenden teils zu lange warten müssen. Dem wurde entgegnet, dass die vorhandenen Therapieangebote aber meist nicht bekannt sind bzw. kostenmäßig erst abgefragt werden müssen. Angesprochen wurden auch die bestehenden Palliativversorgungsnetzwerke. Bedarf gibt es für ein Hospiz im Landkreis, hier finden bereits erste Gespräche statt.

Die Corona-Krise habe aber auch gezeigt, dass die Apotheken eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung und Beratung spielen und sich das Aufgabenspektrum z. B. durch die Schnelltests und Impfzertifikate deutlich erweitert hat. Daher sei es auch in Zukunft wichtig, dass die Apotheken vor Ort erhalten bleiben, wurde hervorgehoben.

Erste Ansätze gibt es im Bereich der Telemedizin und ein Teilnehmer konnte erläutern, dass eine Behinderteneinrichtung Online-Beratungsangebote angeboten hat, um während Corona die Betreuung und den Kontakt aufrecht zu halten. Nachholbedarf gibt es noch bei barrierefreien Angeboten bzw. bei der Transparenz derselben, speziell bezüglich der Zugänglichkeit von Arztpraxen und Apotheken sowie im ÖPNV. Als Idee wurde angeregt, ein Verzeichnis mit barrierefreien Angeboten und Online-Sprechstunden anzulegen und zu verbreiten. Ebenso sollte das Engagement für soziale Berufe mehr gewürdigt werden, zum Beispiel durch einen Preis für das Ehrenamt oder mit einem Gutscheinsystem.

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