Vorreiter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz – Zweiter Zukunftstalk

Altmühlfranken will Vorreiter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden und kann das mit ziemlicher Sicherheit auch sein. Über 50 Teilnehmer diskutierten beim zweiten digitalen Zukunftstalk im Rahmen des Zukunftsprozesses Altmühlfranken 2030 über gute Voraussetzungen und innovative Ansatzpunkte, wie die größte Herausforderung unserer Zeit gemeistert und gleichzeitig die hohe Lebensqualität im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen erhalten werden kann. „Wir können nur dann erfolgreich sein, wenn wir über Grenzen zusammenarbeiten“, blickte Landrat Manuel Westphal voraus und hob hervor, dass Kooperationen für die Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle spielen, beispielsweise zwischen dem Landkreis, den Gemeinden, der Wirtschaft und der Landwirtschaft.

Passend dazu stellte der geschäftsführende Direktor der Alfmeier Präzision SE Andreas Gebhardt „UNNA“, die Unternehmerinitiative Nachhaltigkeit und CO2-Neutralität für Altmühlfranken vor. Mehrere Betriebe der Kunststoff- und Automobilzulieferindustrie haben sich im vergangenen Jahr zusammengeschlossen, um u. a. eine CO2-neutrale Produktion zu erreichen. „Wir müssen die Klimaziele unserer Kunden, also der Automobilhersteller, erfüllen und die sind noch weitaus schärfer als die von Deutschland“, machte Herr Gebhardt in seinem Impuls deutlich. Denn bei der Bilanzierung der Treibhausgase nach dem vorgeschriebenen Standard (Greenhouse Gas Protocol) muss nicht nur der Ausstoß berücksichtigt werden, der durch Verbrennung aus eigenen Anlagen und dem Strom- und Wärmeverbrauch entsteht, sondern auch solcher, der durch Dritte verursacht wird, zum Beispiel wenn benötige Produktionsteile per Luftfracht eingeflogen werden oder ein Handwerker die Fabrikhalle modernisiert. „Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit in Einklang zu bringen“, so Gebhardt abschließend.

Von Vorteil ist, dass die Region bei der Nutzung von erneuerbaren Energien bereits gut aufgestellt ist, wurde in der weiteren Diskussion festgestellt. So liegt der Anteil von grünem Strom landkreisweit bereits bei über 100 Prozent. Allerdings soll der Anteil der erneuerbaren Wärme noch erhöht werden. „Als Ziel für die Zukunft würde ich mir einen klimaneutralen bzw. autarken Landkreis wünschen“, wurde ins Spiel gebracht. Da es jedoch ad hoc schwer einzuschätzen ist, ab wann die Klimaneutralität für die Region tatsächlich erreicht werden kann, muss zuerst eine Klimabilanz als fundierte Basis erstellt und berechnet werden, wurde angeregt. Außerdem sind konkrete Maßnahmen und teilweise auch ein Kümmerer in den Gemeinden notwendig, damit die Region beim Klimaschutz wirklich vorangehen kann, lautete ein weiterer Hinweis. Als Beispiel wurde auf die Gemeinde Wüstenrot in Baden-Württemberg verwiesen, die einen Nachhaltigkeitsbeauftragten eingestellt hat.

Enormes Potenzial wird in der Möglichkeit gesehen, nicht vermeidbare CO2-Emissionen statt im Ausland lieber in der eigenen Region auszugleichen, also zu kompensieren. Damit kämen die investierten Mittel Altmühlfranken zu Gute und Klimaschutz wird für alle Interessierten vor Ort sichtbar. Aktuell steht dem jedoch die Schwierigkeit entgegen, solche „inländischen“ Klimaschutzprojekte zu finden, die nicht bereits als deutsche Klimaschutzmaßnahme gezählt werden. Das ist im Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen so festgelegt. Um dem zu entgehen, plant der Landkreis zur Zeit ein Pilotprojekt zum Humusaufbau mit der Hochschule Triesdorf.

Eine Besonderheit im Landkreis sind vielen Nahwärmenetze, die z. B. dazu beitragen, alte Ölheizungen zu ersetzen. Um die Wirtschaftlichkeit mancher Netze zu verbessern, wünscht sich eine Teilnehmerin alternative Einspeisemöglichkeiten, was aufgrund der bestehenden Förderbedingungen jedoch rechtlich nicht immer möglich ist. „Vielleicht wäre auch eine Kooperation mit der Forstwirtschaft für den gemeinsamen Einkauf von Hackschnitzeln möglich“, regte sie an. Ein weiterer Vorschlag war die Einrichtung eines „virtuelles Kraftwerks“ als Zusammenschluss von dezentralen Stromproduzenten im Landkreis. Diese Idee kann evtl. nach 2024 aufgegriffen werden, wenn bei einigen Wind- und Biogasanlagen die Verträge für die Direktvermarktung auslaufen.

Als wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit wurde auf das regionale Einkaufen eingegangen und darauf verweisen, dass der Landkreis über eine Vielzahl an regionalen und saisonalen Lebensmittel verfügt und letztendlich der Konsument entscheide, für was und wie viel Geld ausgeben wird. Auch das Regionalbuffet, der Zusammenschluss von Landwirten, Handelsbetrieben und Gasthöfen wird in diesem Zusammenhang als Stärke der Region gesehen. In Bezug auf die Nachhaltigkeit hänge auch viel vom Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger ab, wurde der Gedanke weiter geführt. Denn: „Vielen ist gar nicht bekannt, wo der Landkreis bereits vorbildlich ist“, lautete eine Einschätzung und als Konsequenz wurde empfohlen, mehr Wettbewerbe und Auszeichnungen durchzuführen. Auch im Bereich Wohnen und Heizen gebe es für den Klimaschutz noch viel zu tun. Lob bekam die Zukunftsinitiative altmühlfranken, die für die Vernetzung im Landkreis eine wichtige Rolle spielt. An der „Durchdringung des gesamten Landkreises mit Informationen über bestehende Projekte“ will man aber noch weiter arbeiten, wurde genannt.

Außerdem wurden noch das Abfallrecycling und die Repaircafés, die Müllvermeidung am Brombachsee, die Mobilität und der Flächenverbrauch kurz angesprochen.

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